Educational ScienceDigitale Hochschul-Revolution … (as an exeption in German*)

OERMOOCETCDie aktuelle Titelstory der Internetseite des Deutschen Studentenwerks befasst sich mit der „Digitalen Hochschul-Revolution“. Ein spannender Artikel, der viele aktuelle Entwicklungen streift und aufführt, dessen Schlussfolgerungen aber meiner Ansicht nach doch eine sehr „deutsche Brille“ tragen und nicht immer vertieft hinter die Konzepte sieht, die angesprochen werden.

Denn vor allem sind (können/sollten sein) digitale Studienprogramme eben nicht einfach „das Aufnehmen von Vorlesungen“, sondern, wie im Artikel auch angesprochen, „Erklärvideos“ – ein Medium das viel mehr ist (sein kann/sollte) als eine „Vorlesungs-Aufzeichnung“. Hinter dem ein völlig anderes didaktisches Konzept steckt (stecken kann/sollte). Das bedeutet aber eben auch, dass sich Hochschul-„Lehrende“ vom klassischen Rollenbild des „sage on the stage“ verabschieden müssen und sich für neue Rollen und Aufgaben öffnen – die sicherlich wesentlich spannender und herausfordernder sind. Die angesprochenen humanoiden Avatare, oder auch physisch „reale“ Roboter (wie in Marburgs neues Projekt „HEART“) nehmen dann keine Jobs weg, sondern machen frei von Routineaufgaben und schaffen Freiraum für das Generieren neuer Ansätze und das Konzentrieren auf Interaktionen und Begleitung statt Belehrung. Deshalb schafft sich Handke mit seinem Konzept eben auch nicht ab :-).

Ja, im Gegensatz zu Neuerungen die das Traditionelle möglichst erhalten und nur ein bisschen „aufpeppen“ sollen (»sustaining«) sind diese innovativen Ansätze »disruptive«. Was impliziert, dass Bisheriges nicht erhalten bleibt, sondern etwas wirklich Neues entsteht. Was aber eben nicht bedeutet, dass Erfahrungen und Theorien nichts mehr wert sind. Sie werden eben neu gedacht, neu kombiniert, erweitert, korrigiert usw. – eben Emergenz.

Vielleicht muss einfach auch „Präsenz“ neu gedacht werden, denn die vielfältigen synchronen Tools zum synchronen Kommunizieren unter Nutzung von Kamera und Mikrofon und gemeinsamem Bearbeiten von Inhalten fördern „Präsenz“ in Form von Aufmerksamkeit, Kollaboration, Kooperation und Vernetzung vielleicht mehr, als eine physische Präsenz im selben Hörsaal das jemals konnte? Blended Learning könnte dann statt »Präsenz + Online« eben »Synchron Online + Asynchron« (online und offline selbstorganisiert lernen) bedeuten.

Und zur Frage „Wie muss kann man sich eine Universität 2.0 eigentlich vorstellen“: Abgesehen davon, dass „2.0“ längst überholt ist (ich überlege auch ob und wie ich das im Titel meines Weblogs ändern oder wenigstens klarmachen kann …) geht der Antwortversuch „Ohne Vorlesung, Bibliothek, Mensa und Campus? Ohne Prof, HiWis und notorisch abschreibende Kommiliton/innen?“ meines Erachtens an der Realität vorbei. Ohne Vorlesung? Vorlesungen gehen auch digital, wenn sie in der traditionellen Form eben auch längst überflüssig sind. Statt dessen gibt es ja längst gute didaktische neue Konzepte. Ohne Bibliothek? Wann gab es denn jemals eine größere und flexibler und freier zugängige „Bibliothek“ als heute? Und Medienkompetenz brauchte man auch in den klassischen Bibliotheken schon. Heute eben anders. Ohne Mensa und Campus? Gut, gemeinsam mit den Kommilitonen eine Mahlzeit einnehmen geht dann eher nicht J – aber für den Campus gibt es dagegen schon wieder Möglichkeiten, die über Kontakte und Kontexte die ein Präsenzcampus ermöglicht, weit hinausgehen. Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter werden andere Aufgaben und Rollen haben und Abschreiben … dazu möchte ich mich hier jetzt mal nicht äußern J.

Ob die Universität der Zukunft eher eine Volkshochschule ist, ist sicherlich wieder eine Frage der Definition. Wenn es heißt, dass jeder die Chance hat, sie besuchen zu können, warum nicht? Wenn es aber heißt, dass das Niveau der freien Universitätsbildung Kursen heutiger VHS entspricht und „die besten Köpfe“ viel Geld haben müssten um Bildung auf Universitätsniveau zu erwerben, dann bitte nicht!

Hier noch zwei  andere   Artikel, die sich mit ähnlichen Fragen anders befassen.

* Exeptionally this article is published in German as it is an answer to a German Website post and it written under (my impression) a very German point of view and joins a very “German Discurs”. In short it is about changes from Brick and Mortar Universities towards a Digital University and an article that gives different examples of University approaches that already exist but partly is oversimplifying the already existing concepts. For example digital study Programms is described giving the impression that those are merely technologically produced lectures and it “plays” with the anxiety of traditional institutions and their members that the might become obsolet through really innovative concepts, new roles, big data, virtuality and so on …

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